LEGO-Erbe im Interview: „Ich kann nur nach Anleitung bauen“

 

Kin­der haben den Lego-Er­­ben Tho­mas Kirk Kris­tian­sen be­sucht, der erst­mals einer Zei­tung ein In­ter­view ge­ge­ben hat. Nele und Henrik, beide 12, durf­ten für ein In­ter­view dort­hin rei­sen, wo wahr­schein­lich alle Kin­der mal hin­wol­len: zu Lego nach Dä­ne­mark. Im Ge­spräch mit Tho­mas Kirk Kris­tian­sen (sein Uropa hat die Firma ge­grün­det) ging es um Umweltschutz und die Zukunftspläne seiner Firma.

 

 

LEGO-Erbe im Interview „Ich kann nur nach Anleitung bauen“

 

Sein Uropa hat Lego gegründet und die weltberühmten Steine erfunden. Thomas Kirk Kristiansen, 39, ist einer der Chefs der Firma. Henrik und Nele, beide 12, erzählte er, wie es war, in einer Spielzeugfabrik aufzuwachsen, und wie er das Plastik-Problem lösen will.

 

Dein SPIE­GEL: Ihr Uropa hat Lego ge­grün­det. Kamen frü­her alle Schul­freunde immer zu Ih­nen, weil Sie die größte Lego-Samm­lung hat­ten?

Tho­mas Kirk Kris­tian­sen: O ja. Bil­lund, wo die Firma sitzt, ist eine echt kleine Stadt, eher ein ver­schla­fe­nes Dorf. Für meine Schul­ka­me­ra­den war es auf­re­gend, zu uns nach Hause zu kom­men und zu gu­cken, ob neue Mo­delle rum­ste­hen.

 

Durf­ten Sie alle neuen Sets tes­ten?

Meine bei­den Schwes­tern und ich waren die Jury. Wir durf­ten alle neuen Sa­chen zu­sam­men­bauen und muss­ten dabei genau der An­lei­tung fol­gen.

 

Haben Sie sich als Kind auch mal was von Play­mo­bil ge­wünscht?

Da sprecht ihr einen wun­den Punkt an: Ich habe mir wirk­lich viele Weih­nach­ten hin­ter­ein­an­der das Pi­ra­ten­schiff von Play­mo­bil ge­wünscht. Und ich habe es nie be­kom­men. Trau­rig, oder? Meine El­tern woll­ten nichts von der Kon­kur­renz kau­fen. Ich weiß gar nicht, warum. Ich fin­de, Play­mo­bil macht gute Sa­chen. Ge­rade wünscht sich meine sie­ben­jäh­rige Toch­ter Play­mo­bil. Sie kriegt auf jeden Fall ein Set.

 

 

Was war das Cool­s­te, was Sie als Kind je ge­baut ha­ben?

Ich wünsch­te, ich könnte sa­gen, dass ich su­per­krea­tiv war und die tolls­ten Sa­chen ge­baut habe. Aber die Wahr­heit ist: Ich bin viel bes­ser dar­in, nach An­lei­tung zu bau­en. Ich musste das schließ­lich jahr­zehn­te­lang üben. Es gibt ja zwei Ty­pen: die einen, die nur nach An­lei­tung bau­en, und die an­de­ren, die etwas Neues schaf­fen. Meine Toch­ter baut ein­fach drauf­los. Das ist toll: Viele Kin­der sind irre gut dar­in, sich etwas aus­zu­den­ken.

 

Wir fin­den es schwie­rig, sich Lego vom Ta­schen­geld leis­ten zu kön­nen. Wieso sind die Sa­chen so teu­er?

Weil es so gute Qua­li­tät ist, dass es ewig hält. An­dere Spiel­sa­chen gehen nach ein, zwei Jah­ren ka­putt, oder die Kin­der wach­sen aus ihnen her­aus. Lego hält das ganze Leben lang. Egal wie alt die Steine sind, alle pas­sen auf­ein­an­der. El­tern be­wah­ren sie auf und geben sie an ihre Kin­der wei­ter.

 

Wir haben ge­le­sen, dass bis­her über 760 Mil­li­ar­den Steine her­ge­stellt wur­den. Wenn die nicht ka­putt­ge­hen: Wo sind die alle?

In Kin­der­zim­mern auf der gan­zen Welt. Und wenn die Kin­der groß wer­den, in Kis­ten auf Dach­bö­den, wo sie dar­auf war­ten, von der nächs­ten Ge­ne­ra­tion be­spielt zu wer­den. Lego wird zum Glück nicht weg­ge­wor­fen.Die Steine sind aus Plas­tik. Davon gib­t's auf der Welt viel zu viel.

 

Wann stel­len Sie einen Stein aus na­tür­li­chen Ma­te­ria­lien her?

Sehr bald – wir ar­bei­ten dar­an. Die Lego-Stei­ne, die ihr kennt, sind aus einer Plas­tik-Art, die aus Öl her­ge­stellt wird. In Zu­kunft wol­len wir Steine her­stel­len, die um­welt­freund­li­cher sind. Wir haben viele Leute en­ga­giert und Hun­derte Mil­lio­nen Euro aus­ge­ge­ben, um neues Ma­te­rial zu tes­ten.

 

Wieso ist das so schwie­rig?

Das neue Ma­te­rial muss ge­nauso aus­se­hen und so lange hal­ten wie die Stei­ne, die man kennt. Das größte Pro­blem ist, dass na­tür­li­che Ma­te­ria­lien schnel­ler ver­rot­ten – aber Lego ewig hal­ten soll. Unser Fa­vo­rit ist Zucker­rohr. Dar­aus kann man ein plas­ti­k­ähn­li­ches Ma­te­rial ge­win­nen. Noch in die­sem Jahr kom­men die ers­ten Teile aus Zucker­rohr auf den Markt. Wir hof­fen, ir­gend­wann alle Steine er­set­zen zu kön­nen.Die ein­zel­nen Teile der Sets sind in klei­nen Plas­tik­tü­ten ver­packt.

 

Soll das so blei­ben?

Nein. Wir gu­cken ge­ra­de, was wir an­ders ma­chen kön­nen. Man könnte im Ad­vents­ka­len­der zum Bei­spiel re­cy­celte Pa­pier­förm­chen statt Plas­tik ver­wen­den. Aber man muss un­ter­schei­den: Es gibt Plas­tik, das ab­sicht­lich lange hal­ten soll, damit man es immer wie­der be­nut­zen kann. Und es gibt Weg­werf-Plas­tik wie Tü­ten. Das Weg­werf-Plas­tik muss man re­du­zie­ren. Das an­dere muss man so her­stel­len, dass es so um­welt­freund­lich wie mög­lich pro­du­ziert wird und nicht im Meer lan­det.

 

Lego gibt es schon seit mehr als 70 Jah­ren. Den­ken Sie, es gibt die Firma auch noch in 70 Jah­ren?

Na klar. Im Mo­ment scheint es so, als ob Smart­pho­nes alle Spiele er­set­zen könn­ten. Das glaube ich aber nicht. Bei Han­dy­spie­len muss man immer Re­geln fol­gen. Glaubt mir, das wird lang­wei­lig. Kin­der wol­len sich immer selbst etwas aus­den­ken, ein Spiel drau­ßen, etwas aus Stei­nen bauen oder aus Pa­pier bas­teln. Das soll­ten auch Er­wach­sene viel öfter ma­chen: ein­fach mal etwas aus­pro­bie­ren und se­hen, was dabei her­aus­kommt.

 

 

 

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